AK Migration und Integration kritisiert Veranstaltung von MdB Heil und Staatsministerin Böhmer
Andernach. In der vergangenen Woche hatte die Andernacher CDU-Stadtverbandsvorsitzende Mechthild Heil, MdB zu einer gemeinsamen Veranstaltung mit der Beauftragten für Migration, Flüchtlinge und Integration, Staatsministerin Böhmer, eingeladen. Neben Frau Heil und Frau Prof. Böhmer nahmen der erste Kreisbeigeordnete Bernhard Mauel und der Geschäftsführer des Job-Centers Mayen-Koblenz Rolf Koch auf dem Podium Platz und diskutierten über "Integration zwischen Notwendigkeit und Chance - Für den Ausbau einer Willkommens- und Begegnungskultur". Mit großem Interesse besuchten unter anderem Brahim Driouche und Faisal El Kasmi vom Arbeitskreis (AK) Migration und Integration der Andernacher SPD um Rüdiger Schäfer die Veranstaltung der Union.
Im Anschluss an die Podiumsdiskussion erklärte Faisal El Kasmi, Sprecher der Andernacher Jusos und Mitglied des Beirates für Migration und Integration der Stadt Andernach: "Wir bedauern es sehr, dass die Union offensichtlich lieber unter sich und mit sich diskutieren wollte."
"So entsteht für mich und andere Besucher, mit denen ich gesprochen habe, der Eindruck: Kein Mitglied des Beirats für Migration und Integration der Stadt oder des Kreises war im Podium willkommen.“ Kein Beiratsmitglied sei ins Podium eingeladen worden, um über die Integrationspolitik vor Ort und die alltäglichen Probleme der Menschen mit Migrationshintergrund in Andernach und dem Landkreis zu berichten.
„Geht man so mit direkt gewählten Vertretern der Migranten um? Wo ist die Akzeptanz für unsere Arbeit der letzten Jahre?“ moniert El Kasmi. Bemerkenswert sei zudem, dass mit keiner Silbe erwähnt wurde, wer im Landkreis eigentlich das Integrationskonzept zunächst gegen den Widerstand des Landrates vorangetrieben habe. Nach der Veranstaltung könne man fast glauben, die Union wäre das gewesen, kritisiert El Kasmi.
Sein Kollege im Beirat und Arbeitskreis Brahim Driouche kann sich dem nur anschließen: „Es war wohl nur als reine CDU-Parteiveranstaltung gedacht. Schade, dass die CDU hier eine wirkliche Chance vertan hat und lieber über Migrantinnen und Migranten redet als mit ihnen.“
Nach Auffassung der Sozialdemokraten war auch der Titel der Andernacher Veranstaltung mit Staatministerin Böhmer zumindest „nicht besonders glücklich“ gewählt: „Denn wir brauchen keine neue Willkommenskultur in integrationspolitischen Fragen. Die bei uns lebenden Menschen mit Migrationshintergrund sind schon längst in der gesellschaftlichen Realität angekommen. Es wäre schön, wenn die CDU hier in naher Zukunft endlich ankommen würde“, finden El Kasmi und Driouche.
Begrüßenswert ist aus Sicht des AK Migration und Integration, dass in Andernach inhaltlich „milde Töne“ von der Union angestimmt wurden, während die Landespartei noch im vergangenen Jahr mit ihren integrationspolitischen Forderungen „Null-Toleranz-Politik gegenüber integrationsunwilligen Migranten“ für Aufsehen gesorgt hatte.